17.06.2020

Ausbildungssuche während der Pandemie

Beratungsprojekte berichten von den Erfahrungen ihrer Teilnehmenden

Symbolbild Frau am Laptop
Symbolbild: Eine junge Frau im Beratungsgespräch. © freepik/prostooleh

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt und sorgt in Unternehmen sowie bei Bewerbern/-innen für Unsicherheiten. Die Projekte "TALENTS Hamburg" und "ServiceCenter Teilzeitausbildung" begleiten junge Erwachsene auf dem Weg in die Ausbildung bzw. Teilzeitausbildung. Ihre Beratungen haben sie an die neue Situation angepasst. Wie läuft die Ausbildungsplatzsuche in dieser besonderen Zeit, welche Erfahrungen wurden im Projekt gemacht und welche Erfolge verzeichnet?

Die Verunsicherung ist groß: Laut Bundesagentur für Arbeit meldeten sich seit Oktober 2019 ca. 39.000 Bewerberinnen und Bewerber weniger für eine Ausbildungsstelle als im Vorjahreszeitraum. Auch wenn die Zahl der Ausbildungsplätze mit 463.000 immer noch auf einem hohen Niveau ist, so ist auch diese im Verhältnis gesunken. Vor allem in bestimmten Branchen wie beispielsweise dem Gastgewerbe, im Lebensmittelverkauf und im Berufskraftverkehr sind die Zahlen aktuell rückläufig. Die genannten Projekte haben in dieser Zeit ihre Beratungen zur Ausbildungsplatzsuche an die neue Situation angepasst und trotz der ungewöhnlichen Rahmenbedingungen durchaus auch Erfolge zu melden.

Bewerber/innen zwischen Motivation und Zweifeln

Projektmitarbeiterin Nicole Adamski berichtet: "Am Anfang der Corona-Pandemie waren die Teilnehmenden sehr verunsichert und viele bezweifelten, dass sie einen Ausbildungsplatz finden würden. Wir haben ihnen geraten, sich kontinuierlich weiter zu bewerben. Als sie gemerkt haben, dass der Betrieb in Unternehmen weitergeht und Vorstellungsgespräche stattfinden, hat sie das sehr bestärkt weiter zu machen", so die Beraterin. "Wir haben die Teilnehmenden in dieser für sie besonderen und unsicheren Phase begleitet und ihnen durch regelmäßige Termine als feste Ansprechpartnerinnen zum Thema Ausbildung zur Seite gestanden", sagt sie.

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Beraterinnen der Projekte währens eines Webinars.

Die Teilnehmerin Larissa erzählt aus ihrer Sicht: "Mit meinen Bewerbungen habe ich vor der Pandemie begonnen. Meine Motivation war groß. Ich wollte unbedingt eine Stelle in diesem Bereich bekommen. Als es dann die ersten Einschränkungen gab, habe ich mir anfangs Sorgen gemacht, ob die Ausschreibungen noch aktuell sind. Doch nach den ersten positiven Rückmeldungen und Einladungen waren die Sorgen ganz schnell wieder weg."

Ein Bewerber zeigte gleich nach Eintritt der Corona-Regelungen besonderes Engagement, um sich weiter online bewerben zu können. Da er in seiner Unterkunft kein Internetzugang zur Verfügung hatte, der HVV aber kostenfrei an Haltestellen WLAN anbietet, ging er für die Online-Meetings immer zur nahe gelegenen S-Bahn-Station, um dann mit TALENTS-Beraterin Elisabeth Schaper gemeinsam Bewerbungen zu schreiben und zu versenden.

Unterschiedliche Folgen für das Bewerbungsverfahren

"Am Anfang waren die Unternehmen zögerlich, haben Einstellungsverfahren ausgesetzt, um der aktuellen Situation gerecht zu werden", erinnert sich Beraterin Elisabeth Schaper. "Ab April nahm die Zahl der Vorstellungsgespräche wieder zu. Zunächst wurden Termine vermehrt per Telefon oder Videoanruf geführt, doch nach und nach wurden auch wieder persönliche Vorstellungsgespräche vereinbart. Nur Gruppenbewerbungsverfahren wurden ausgesetzt."

Eine Teilnehmerin kann das bestätigen und berichtet von den überwiegend positiven Rückmeldungen auf ihre Bewerbungen: "Teilweise waren die Einladungen sehr kurzfristig, teilweise kam es zu Verzögerungen im Bewerbungsverfahren. Es war also sehr durchmischt. Durchschnittlich habe ich auf meine Bewerbung nach ein bis zwei Wochen eine Antwort bekommen. Dann hatte ich meist zwei Wochen Zeit mich auf das Bewerbungsgespräch vorzubereiten. Zu Anfang hatte ich nur Online-Gespräche. Zum Ende waren es dann mehr und mehr persönliche Gespräche."

"Gehäufte Absagen beziehungsweise fehlende Rückmeldungen auf Bewerbungen habe ich bei meinen Teilnehmenden nur im Bereich Tourismus und Gastgewerbe mitbekommen", so Elisabeth Schaper. "Da die Teilnehmenden auch nach vielen Bemühungen nicht zu Gesprächen eingeladen wurden, haben wir uns nach ein paar Wochen alternative Berufsfelder überlegt und dafür gemeinsam Bewerbungen formuliert."

Umstellung auf digitale Beratungen

Home-Office
Im Home-Office lief die Beratungsarbeit weiter.

Der Teilnehmerkontakt wurde sehr schnell auf Video- und Telefonberatungen umgestellt, sodass alle Teilnehmenden lückenlos betreut werden konnten. Mittlerweile sind auch persönliche Beratungen wieder möglich. Einigen Teilnehmern/-innen ist der persönliche Kontakt lieber, andere schätzen die Videoberatung, da sie sich den Fahrtweg sparen oder Kinder betreuen müssen.

Beraterin Nicole Adamski berichtet von ihrer Erfahrung mit Online-Beratungen: "Ich kann genauso weiter beraten, wie sonst. Unser Online-Tool ist sehr einfach zu handhaben, auch für die Teilnehmenden. Und durch die Funktion ‚Bildschirm teilen‘ können wir gemeinsam Bewerbungsunterlagen sichten und erstellen."

Digitalisierung und Konzentration auf die Bewerbungsphase bringen auch Vorteile mit sich

Einige Teilnehmende haben sogar besonders gute Erfahrungen mit der aktuellen Bewerbungssituation gemacht. Jawaher sucht eine Teilzeitausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten: "Ich finde die Ausbildungsplatzsuche während der Corona-Zeit sogar ein bisschen leichter als sonst, weil Frau Adamski und ich uns zu Videoberatungen verabredet haben. Ich konnte sonst nicht viel machen und war sowieso zu Hause. Wir haben Bewerbungen verschickt und ein Gesuch auf der Seite der Zahnärztekammer für die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten aufgegeben. Ich habe viele Anrufe von Zahnärzten bekommen und hatte schon zwei Vorstellungsgespräche."

TALENTS-Teilnehmerin Natalija ist seit Oktober 2019 in der Beratung. "Durch die Umstellung auf Online-Beratungen hatte ich das Gefühl, dass wir sogar schneller vorangekommen sind – wir waren ja schon ein eingespieltes Team. Anfangs war ich sehr unsicher, ob es dieses Jahr überhaupt mit einer Ausbildung klappen wird. Meine Beraterin, Frau Assmuth, hat mich trotz allem weiter motiviert und ich habe erkannt, dass es auch in dieser Zeit noch eine Vielzahl an Angeboten gibt. Am Ende konnte ich sogar zwischen mehreren Ausbildungsangeboten auswählen", berichtet sie.


         


Das Projekt "TALENTS" wird aus dem Europäischen Sozialfonds ESF und von der Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg finanziert.

 

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